Digitale Privatsphäre und Verschlüsselung
Ein Kommentar zur Bedeutung von digitaler Privatsphäre und der Notwendigkeit von Verschlüsselung im Kontext von EU-Datenschutzbestrebungen.
In Zeiten, in denen WhatsApp die Einführung neuer Nutzungsbedingungen verschieben musste, weil Nutzerinnen und Nutzer aufgrund mangelhafter Kommunikation und unklarer Datenschutzregeln abspringen, ist es wichtiger denn je, über Datenschutz zu sprechen. Die Corona‑Warn‑App scheiterte nicht an strikten Datenschutzregeln, sondern an mangelnder Nutzung und fehlender Abstimmung der Behörden. Solange weiterhin Faxe und Briefe mit Coupons für Masken verschickt werden, bleibt viel zu tun.
Es ist nicht verwunderlich, dass einige EU‑Mitgliedstaaten versuchen, Ende‑zu‑Ende‑Verschlüsselung mittels Backdoors zu unterlaufen. Die These lautet, man sei stärker auf digitale Beweise angewiesen, die aufgrund der Verschlüsselung nicht zugänglich seien. Damit lasse sich Verbrechen und Terrorismus nicht ausreichend bekämpfen.
Datenschutztag 2021: Ein Reminder für den EU‑Rat
Die gemeinsame Stellungnahme der Anbieter ist unterstützenswert; wir sollten darauf hinarbeiten, dass Ende‑zu‑Ende‑Verschlüsselung weiterhin unsere Privatsphäre schützt.
Verschlüsselung beruht auf Mathematik — sie ist eindeutig. Wie die Anbieter ProtonMail, Threema, Tresorit und Tutanota in ihrem Gegenstatement formulieren:
„Der aktuelle Entwurf der Resolution des EU‑Ministerrates beruht auf einem eingeschränkten Verständnis der technischen Aspekte von Ende‑zu‑Ende‑Verschlüsselung. Denn Ende‑zu‑Ende‑Verschlüsselung ist absolut: Daten sind entweder verschlüsselt oder nicht.“ (Quelle: Netzpolitik.org)
Vier europäische Software‑Unternehmen warnen vor dem jüngsten Vorstoß der EU‑Länder, verschlüsselte Kommunikation brechen zu wollen. Hintertüren würden die Datensicherheit in Europa bedrohen, heißt es in einem gemeinsamen Schreiben am Europäischen Datenschutztag.
Link » Verschlüsselung — Sichere Kommunikationsanbieter warnen vor Hintertüren
Falls Hintertüren eingeführt würden, wären die betroffenen Verschlüsselungen nicht mehr sicher. Behörden und Nutzerinnen und Nutzer müssten dann auf andere Dienste ausweichen, was die Sicherheitslage insgesamt verschlechtern würde.