Gedanken zum Wochenende: Wenn Geopolitik die Heizkosten frisst
Das Wochenende hat alles verändert: Khamenei ist tot, die Straße von Hormus ist dicht und die Ölpreise schießen zweistellig nach oben. Während die Weltpolitik Kopf steht, frage ich mich, warum unsere Speicher leer sind und wir uns hier in energiepolitischen Scheingefechten verlieren. Ein paar Gedanken zu einem Montag, an dem die Technik zur Nebensache wird.
Irgendetwas stimmt gerade ganz gewaltig nicht mit dieser Welt. Eigentlich habe ich es ja eher mit technischen Themen, aber was sich seit dem Wochenende abspielt, lässt mich einfach nicht los. Die Nachrichten haben sich förmlich überschlagen: Ayatollah Ali Chamenei ist tot. Offiziell bestätigt. Was als Truth-Social-Post von Trump und vagen Hinweisen von Netanjahu begann, ist nun Realität.
Versteht mich nicht falsch: Ich finde es gut, dass im Iran endlich etwas passiert. Dass die Mullahs „einen auf den Deckel“ bekommen, ist nach Jahrzehnten des Terrors und der Unterdrückung mehr als überfällig. Aber der Beigeschmack ist extrem bitter. Wir reden hier von einem völkerrechtswidrigen Schlag. Es fühlt sich immer mehr so an, als würde die Prämisse „Recht des Stärkeren“ die „Stärke des Rechts“ komplett ablösen. Unser Außenminister sucht zwar noch nach Argumenten für die Selbstverteidigung, aber die Experten sind sich einig: Die Argumente für Selbstverteidigung sind verdammt dünn.
Die Quittung kommt sofort, und zwar direkt an der Zapfsäule. Der Krieg im Iran lässt die Erdgas-Preise nach oben schnellen. Die Straße von Hormus ist dicht, was den Ölpreis heute Morgen um 14 % steigen lässt. Und hier zeigt sich dann das Versagen unserer Energiepolitik: Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) wurde geschwächt, was uns zurück in die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern getrieben hat. Jetzt steigt der Ölpreis und der Gaspreis explodiert.
Unsere Wirtschaftsministerin Frau Reiche hätte die Gasspeicher – da sie Gas ja angeblich „sehr mag“ – mit günstigem Gas vollbekommen können. Aktuell sind die Speicher jedoch nur zu knapp 20 % gefüllt. Doch Weitsicht und Verantwortungsbewusstsein gegenüber der deutschen Bevölkerung scheinen nicht ihre Stärken zu sein. Auch weil sie Sonnen- und Windkraft ausbremst, wird am Ende der Bürger die Zeche zahlen müssen.
Und dann der politische Zirkus hier: Carsten Linnemann und die Union verkaufen es als „Wahlfreiheit“, dass man nach der Gesetzesänderung im Februar auch nach 2029 noch frei zwischen Gas, Öl oder Wärmepumpe entscheiden darf. Bei den aktuellen Preisexplosionen ist das purer Sarkasmus. Wir sägen an den Anlagen, die uns unabhängig machen könnten, während „alte weiße Männer“ die Welt in Brand setzen.
Aber um noch einmal auf den Iran zu kommen: Das Land wirkt aktuell wie eine explodierende Feuerwerksfabrik, die ihre Raketen unkontrolliert in alle Himmelsrichtungen abfeuert. Ob sich die Gesellschaft aufraffen kann, daraus eine demokratische Republik zu machen? Ich bin da unsicher. Eine Opposition im Iran gibt es quasi nicht. Es ist also völlig offen. Aktuell gibt es niemanden, der das Vakuum füllen könnte, abgesehen von Kräften aus den Reihen der Mullahs.
Aufgrund des gesperrten Luftraumes tun mir die Urlauber allerdings leid, die nun festsitzen. Amüsant ist hingegen das Geheule der Influencer-Fraktion: Erst Deutschland aus Steuergründen verlassen und jetzt lautstark nach Rettung auf Staatskosten plärren, weil sie in Dubai feststecken. Die normalen Urlauber tun mir leid, der Rest ist einfach nur ironisch.
Wir werden abwarten müssen, was kommt. Die Hoffnung für das iranische Volk gebe ich jedenfalls nicht auf.